Troyes (F), Place de la Libération mit Kirche St-Urbain, schwarz-weiss
Troyes (F), Place de la Libération mit Kirche St-Urbain.

Die französische Kleinstadt Troyes klingt auf dem Papier nicht besonders spektakulär: Knapp 63’ooo Einwohner, zwischen 100 und 126 Meter über Meer, 13.6 m2 Fläche, stündliche Zugverbindungen nach Paris und Mulhouse. Ein Besuch in der weitläufigen Altstadt offenbart dann jedoch, dass Troyes in der Renaissance eine blühende Stadt war, die mit zu den kulturellen Zentren des französischen Königreichs gehörte.

Abb. 2 zum Artikel Troyes
Troyes, Blick durch die Rue du Palais de Justice.

Das alte, von der Seine umflossene Stadtzentrum bietet nämlich nicht nur wunderschöne Gässchen und romantische Fachwerkhäuser, sondern ausser der Kathedrale noch sage und schreibe acht grosse Kirchen (von denen einige nicht akut einsturzgefährdet und deshalb sogar für Besucher geöffnet sind) und Museen, die von Alten Meistern über fantastische Skulpturen des 16. Jahrhunderts, allerhand Werkzeugen bis hin zu ausgeklügelten Strickmaschinen alles zu bieten haben. Auf gehts zu einem Rundgang zu meinen persönlichen Highlights eines langen Wochenendes in dieser schönen Stadt.

Abb. für Troyes-Beitrag
Troyes, Ziehbrunnen an der Rue de la Cité.

Doch zuerst ein kurzer Abstecher in die Geschichte. Troyes, das antike Augustobona, hat seinen Namen vom keltischen Volk der Tricassen, das es einst bewohnte. Als alte Bischofsstadt war es schon immer ein kirchliches Zentrum, die Kathedrale ist schon 454 erwähnt. Der wirtschaftliche Aufstieg folgte dann ab dem 10. Jahrhundert, als die Grafen von Troyes sich immer unabhängiger vom fränkischen Reich machten. Sie dehnten ihr Einflussgebiet auf die gesamte Umgebung aus und nannten sich fortan Grafen der Champagne. Unter ihnen blühten im 12. und 13. Jahrhundert die Messen in Troyes, Händler und Kaufleute aller Herren Länder trafen sich hier. Die Zeit der berühmten ‚Champagnemessen‘ war jedoch spätestens mit dem Hundertjährigen Krieg 1337-1453 vorbei.

Künstlerische Blütezeit

Auf diese Zeit wirtschaftlichen Niedergangs folgte dann ab dem frühen 16. Jahrhundert die Reaktivierung der Messen. Damit begann ein nie dagewesener wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt an der Seine, der fast das ganze Jahrhundert lang anhalten sollte. Zunächst jedoch verwüstete 1524 ein Brand weite Teile der Innenstadt, die aber mit den reichlich vorhandenen finanziellen Mitteln schnell wieder instand gestellt wurde. Die Religionskriege zwischen dem katholischen und dem protestantischen Lager führten jedoch ab den 1570-ern zur Auswanderung vieler hugenottischer Handwerker- und Händlerfamilien in die protestantischen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches. Dies setzte der baulichen und künstlerischen Blütezeit ein Ende. Der Denkmälerbestand von Troyes erstreckt sich also vom 13. bis etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt klar auf der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts liegt. Besonders an Skulptur und Glasmalerei der Renaissance und des Manierismus hat Troyes einen exquisiten Bestand bewahrt.

Kathedrale St-Pierre-St-Paul

Troyes, Kathedrale St-Pierre-St-Paul, Westfassade. Entwurf Martin Chambiges, Turm später, 1507-1634. Die eigentlich fünfschiffige Anlage bekam einen traditionellen dreiteiligen Abschluss.
Troyes, Kathedrale St-Pierre-St-Paul, Inneres gegen Osten. Chorpartie um 1200 – 1235/36 (obere Partien nach Teileinsturz infolge Sturmschäden 1228 neu aufgeführt, Vorbild St-Denis), Querschiff und Langhaus um 1210 – um 1500.
Troyes, Kathedrale St-Pierre-St-Paul, Inneres. Blick in den südlichen Chorobergaden mit den Glasmalereien der 1230er-Jahre. Triforium und Obergaden sind komplett in Glasfenster aufgelöst, hierin dem Beispiel der Abteikirche St-Denis bei Paris folgend.
Troyes, Kathedrale St-Pierre-St-Paul, Inneres. Untersicht in das Gewölbe einer Chorumgangskapelle. Die Chorpartie war im 19. Jahrhundert derart baufällig, dass Eugène Millet von 1849 bis 1866 die Fundamente und das Strebesystem erneuern musste.
Troyes, Kathedrale St-Pierre-St-Paul, Inneres. Nördliches Querschiff. Die grosse Rose stürzte 1390 ein und wurde 1408/09 wieder eingebaut. Ein massiver Mittelpfosten sollte dem Ganzen Stabilität verleihen. Gleichzeitig wagte man es, das gesamte quadratische Wandfeld bis in die Ecken zu verglasen.
Troyes, Kathedrale St-Pierre-St-Paul, Inneres. Blick in des Übergangsjoch zwischen nördlichen Seitenschiffen und Westwerk. Martin Chambiges entschied sich dafür, den fünf Schiffen des Langhauses eine dreiteilige Westfassade vorzublenden. Dies erreichte er durch die Zwischenschaltung dreieckiger Gewölbe. Die Rückseite der Westfassade ruht auf massiven Pfeilern mit opulenter Profilierung.

St-Urbain

Ste-Madeleine

St-Pantaléon

St-Jean-au-Marché

Musée St-Loup

Musée de Vauluisant